Mitarbeiter 3.0 – Warum die Folgen zunehmender Arbeitsverdichtung krank machen können

Seit Beginn der Industrialisierung hat sich die Menschheit rasant entwickelt.
Globalisierung, Flexibilisierung und verstärkter Wettbewerb veränderten neben Gesellschaftsstruktur auch Arbeitswelten und Wirtschaftsbedingungen. Für den Einzelnen bedeutet das, mehr Mobilität, mehr Flexibilität, mehr Unsicherheit bei zugleich höherem Zeit- und Leistungsdruck. Mit Multitasking, ständiger Erreichbarkeit und Arbeitsverdichtung stellt die moderne Welt hohe Anforderungen, denen nicht alle gewachsen sind. Gleichzeitig wurden traditionelle Lebenszusammenhänge aufgeweicht und das Individuum aus der vertrauten Familiengemeinschaft und seinen alten Sicherungsinstanzen herausgelöst (Berger et al. 1970: 60).

 


Die moderne Arbeitswelt

Das Individuum erfährt in dieser modernen Welt eine Fragmentierung in verschiedene Lebenswelten und Rollen, gleichzeitig vermehrt sich aber das Bedürfnis nach Ganzheit und Einheit. Das Individuum muss selbstständig über zuvor festgeschriebene Selbstverständlichkeiten, wie Arbeit, Wohnort, Mutterschaft, entscheiden (Beck, Beck-Gernsheim 1994: 12) Die Normalbiographie wird abgelöst vom Leben in eigener Regie. Die Erwerbstätigkeit hat nicht nur eine große Bedeutung für die Existenzsicherung, sondern auch für die Identitätsbildung des Einzelnen. Dadurch spielen Arbeitsbelastungen eine entscheidende Rolle für Wohlbefinden und Gesundheit.

Selbstmanagement-Seminar: Das Samurai-Prinzip


Mögliche Folgen

Nach Schätzungen von Experten sind in etwa 30% aller Erkrankungen durch den Arbeitsplatz bedingt. Burnout-Symptome, Schlafstörungen, Depression oder Angstzustände werden immer häufiger. Große epidemiologische Studien haben wiederholt falsche Ernährung, Bewegungsmangel, Rauchen und mangelhafte Stressbewältigung als größte Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bestätigt, die statistisch gesehen zu den häufigsten Todesursachen zählen.

Doch nicht nur Merkmale der Krankheit selbst, sondern auch körperliche und psychische Belastbarkeit des Betroffenen, seine Lebenseinstellungen, Bewältigungskompetenzen und soziale Ressourcen beeinflussen seinen Gesundheitszustand. Gleichzeitig entwickelt sich unsere Gesellschaft zu einer Wissensgesellschaft, in der das Know- How der Mitarbeiter immer unersetzbarer wird. Betrachtet man die demographische Entwicklung hin zu einer Überalterung der Gesellschaft bei gleichzeitiger Verlängerung der Lebensarbeitszeit, ist es verständlich, dass es für Unternehmen immer wichtiger wird, individuelle Stressbewältigungsprogramme anzubieten und weitere Rahmenbedingungen für ein gesundheitsgerechtes Arbeitsumfeld zu schaffen.

 


Regeneration & Erholung muss wieder trainiert werden

Doch wie kann man die stressbedingten Risiken für die körperliche und psychische Gesundheit reduzieren? Es gibt eine breite Palette an Methoden für die individuelle Stressbewältigung. Im Besonderen wird hier das regenerative Stressmanagement in Augenschein genommen, bei dem die Regulierung und Kontrolle der physiologischen und psychischen Stressreaktion im Vordergrund steht; also die geistige und psychische Regenerierung.

Wer aktiv ist und Aufgaben bewältigt, braucht Regeneration und Erholung. Verbrauchte Kraft und Energie muss dem Körper wieder zugeführt werden. Dieser Wechsel zwischen Entspannung und positiven Stress (Eustress) ist notwendig für ein gesundes Leben. Der rhythmische Wechsel zwischen Anregung und Entspannung, Aktivität und Passivität, Expansion und Kontraktion ist ein grundlegendes Merkmal des Lebendigen (z.B. Atem, Herzschlag). Das eine existiert nur als Gegenüber des Anderen. So ist es auch bei der Entspannung. Sie baut Energiereserven wieder auf, so dass neue Spannung überhaupt wieder möglich ist. Als übergeordnetes Ziel des Entspannungstrainings gilt es, diesen Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung dort zu fördern, wo er aufgrund lang anhaltender oder wiederkehrender Belastungen aus dem Takt gekommen ist. Grundsätzlich besitzt jeder Mensch die Fähigkeit, körperlich und gedanklich zu entspannen; regenerative Stresskompetenz ist also bei regelmäßiger Übung trainierbar.

 


Autorin: Anna Wimmer

 


Quellen:

Antonovsky, A. (1987): Unraveling the mystery of health. San Francisco: Jossey-Bass.

Beck & Beck-Gernsheim (1994): Riskante Freiheiten. suhrkamp, Frankfurt a. Main.

Beck- Gernsheim, Elisabeth (1983): Gesundheit und Verantwortung im Zeitalter der Gentechnologie.

Buddeberg, Claus (2004): Psychosoziale Medizin. Springer, Stuttgart.

Kaluza, Gert (2004): Stressbewältigung. Springer, Berlin.

Rauschenberg, Barbara (1994): Inszenierte Solidariät: Soziale Arbeit in der Risikogesellschaft.

Luhmann, Niklas (1994): Copierte Existenz und Karriere. Zur Herstellung von Individualität. Suhrkamp, Frankfurt a. Main.

 


 

Weitere Informationen zum Thema:

» Entspannungstechniken & Atemübungen »

» Physische und psychische Ausweichmöglichkeiten schaffen – Der Leitfaden zum Thema Burnoutprävention »

» Stresstrainings für Ihre Mitarbeiter und Führungskräfte »

Den Praxisleitfaden zum Thema “Gesund führen” finden Sie » hier »

Den Praxisleitfaden “Stressmanagement im Betrieb” finden Sie » hier »


 

0.71/5 (56)

Diesen Artikel bewerten