Betriebliches Gesundheitsmanagement als Beitrag zur Verbesserung der Arbeitssicherheit einführen

2011 war in Deutschland statistisch gesehen jeder Arbeitnehmer 12,6 Arbeitstage krankgeschrieben. Für die Unternehmen war dies mit einem Produktionsausfall in Höhe von 46 Milliarden Euro (Quelle: BAUA, Suga 2011) verbunden. Klar ist, dass in der Summe nicht jeder Krankheitstag betriebliche Gründe hatte. Allerdings muss jedes Unternehmen die betriebsbedingten Erkrankungen, sei es Arbeitsunfall oder arbeitsbedingte Erkrankung, genau unter die Lupe nehmen. Aus diesem Grund spielt das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) gerade im normalen Betriebsalltag eine übergeordnete Rolle, zumal es einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Arbeitssicherheit birgt.

 


Betriebliches Gesundheitsmanagement ganzheitlich betrachten und umsetzen

Betriebliches Gesundheitsmanagement ist eine ganzheitliche Aufgabe, welche kontinuierlich weiterentwickelt wird. BGM ist somit ein Beitrag zur Verbesserung der Arbeitssicherheit, da durch das BGM Unfälle vermieden und betriebsbedingte Erkrankungen minimiert werden können. Das wichtigste Ziel eines ganzheitlichen Betrieblichen Gesundheitsmanagements ist es daher, dass Instrumente und Maßnahmen entwickelt, koordiniert und umgesetzt werden, damit der Mitarbeiter nicht durch körperliche und psychische Belastungen und Gefährdungen während des Arbeitsprozesses erkrankt. Aufgrund des Verschmelzens zwischen Arbeitswelt und Privatleben integriert BGM auch Faktoren, die außerhalb des Arbeitsplatzes liegen. Dies muss demjenigen, der im Betrieb für das Gesundheitsmanagement verantwortlich ist, klar sein und in das BGM einfließen lassen.

 


Betriebliches Gesundheitsmanagement im Alltag umsetzen

Die Entwicklung und Umsetzung des BMGs ist natürlich immer von den bestehenden Ressourcen im Unternehmen abhängig. Gerade KMU (kleine und mittlere Unternehmen) können daher eine solche Aufgabe nur in wenigen Fällen alleine bewältigen. Daher ist es ratsam, sich extern Unterstützung zu suchen. Betriebe, die ein Gesundheitsmanagement einführen möchten, müssen zunächst einen Plan erstellen, der folgende Schritte beinhaltet:

1. Festlegung von Rahmenzielen durch das Gesundheitsmanagement
2. Innerbetriebliche Strukturen schaffen und verschiedene Bereiche miteinander vernetzen.
3. Arbeitsbedingte Situationen im Betrieb analysieren
4. Ziele erneut überprüfen und verfeinern
5. Entwicklung von geeigneten BGM-Instrumenten
6. Umsetzung der Maßnahmen im Betrieb
7. Überprüfung der Maßnahmen auf ihren Erfolg anhand der vergebenen Ziele und ggf. Weiterentwicklung und Verbesserung

 


Im Bereich der Arbeitssicherheit sind die Rahmenziele besonders deutlich

Das Feld der Arbeitssicherheit ist ein grundlegender Bestandteil und eine wichtige Säule des betrieblichen Gesundheitsmanagements. In dieser Hinsicht sind folgende Ziele von besonderer Bedeutung:

1. Verhinderung von arbeitsbedingten Unfällen
2. Vermeidung von langfristigen Erkrankungen
3. Minimierung arbeitsbedingter Krankheitstage


 

Die Rolle und Aufgaben der Arbeitssicherheitsfachkraft im BGM

Auch wenn die Motivation sehr groß ist, sofort im Bereich des Gesundheitsmanagements etwas zu verbessern, sollte gerade die Analyse verschiedenster Bereiche durch die geeigneten Instrumente zu Beginn im Vordergrund stehen. Geeignete Instrumente hierfür sind sicherlich:

1. Arbeitsplatzbegehungen
2. Gefährdungsanalysen
3. Mitarbeiterbefragung
4. Analyse der Mitarbeiterstruktur (z.B. Altersstrukturanalysen)
5. Analyse des Krankenstandes, Dauer der Krankheitstage und Anzahl der Arbeitsunfälle.


Instrumente der Arbeitssicherheit

Nach der Auswertung können schnell und einfach Probleme benannt werden. Um diese gerade im Bereich er Arbeitssicherheit zu minimieren, müssen geeignete Maßnahmen, wie z.B. für die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen (GBpsych) entwickelt und umgesetzt werden. Auch hier kann die Unterstützung von außen durch geschulte Fachkräfte für Arbeitssicherheit sehr hilfreich sein. Folgende Instrumente gelten als besonders hilfreich:

BGM-Instrumente der Fachkraft für Arbeitssicherheit

1. Arbeitssicherheitsrelevante Mitarbeiterschulungen
2. Mitarbeiterschulungen, die sich mit psychischen Auswirkungen der Arbeit befassen
3. Einführung neuer Arbeitszeitmodelle, z.B. um die Vereinbarkeit von Familie & Beruf zu steigern
4. Permanente Weiterbildungsangebote bereitstellen
5. Fitness- und Gesundheitstage im Betrieb anbieten
6. Aktive Kommunikation & Miteinbeziehung der Mitarbeiter (z.B. KVP oder Kaizen)
7. Regelmäßige Feedbackrunden


 

Ausblick und Stellenwert für Betriebliches Gesundheitsmanagement in der Zukunft

Motivierte und gesunde Mitarbeiter stellen für Betriebe, egal wie groß sie sind, eine enorm wichtige Ressource dar. Ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement im Betrieb ist daher eine umfangreiche Aufgabe, die jeden Tag umgesetzt und auch gelebt werden muss. Hierfür sind aber sinnvolle und passende BGM-Konzepte notwendig, die zunächst entwickelt und implementiert werden müssen. Eine Überprüfung der Maßnahmen ist dabei genauso unabdingbar, wie die Anpassung an die sich stetig verändernde Arbeitswelt. Die Einbeziehung der Mitarbeiter ist ebenfalls sehr ratsam, da dies eine zusätzliche Motivation darstellt.

» Zum Praxisleitfaden zur Einführung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements »


 

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