Betriebliches Gesundheitsmanagement & Homeoffice

Seit der Corona-Pandemie ist Homeoffice ein fester Bestandteil der deutschen Arbeitswelt. Laut Statistik haben in der Hochphase fast 30 Prozent aller Arbeitnehmer von Zuhause aus gearbeitet. Auch in Zukunft wollen viele Unternehmen ortsunabhängige Arbeit ermöglichen. Diese Rahmenbedingungen erfordern neue Organisationsstrukturen. Zum Beispiel für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM). Denn auch an Heimarbeitsplätzen müssen Unternehmen die Gesundheit ihrer Angestellten fördern, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

 

Gesund im Homeoffice: Maßnahmen für gesundes Arbeiten am Bildschirmarbeitsplatz

In den vergangenen zwei Jahren haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer neben den Vorteilen des Homeoffice auch Herausforderungen kennengelernt. Eine davon ist der Erhalt der Leistungsfähigkeit. In einer aktuellen Forsa-Umfrage der DEKRA  klagt jeder dritte Befragte im Heimbüro über gesundheitliche Probleme. Mit mehr als 35 Prozent sind vor allem Verspannungen, Kopf- oder Rückenschmerzen verbreitet. Zu ähnlichen Ergebnissen war im vergangenen Jahr eine Forsa-Umfrage der DAK gelangt. Laut jener entwickelten Mitarbeiter im Homeoffice außerdem oft ein ungesundes Ess- und Bewegungsverhalten. Dadurch neigten sie zu Übergewicht, womit ihr Risiko für Arbeitsausfälle durch Folgeerkrankungen wie Diabetes stieg. Aus arbeitsschutzrechtlicher Sicht haben Arbeitgeber auch bei Heimarbeit Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeiter. Dass sich ein Drittel aller zu Hause Beschäftigten über unzulänglich ausgestattete Arbeitsplätze beklagt, sollte daher ernstgenommen werden. Je ergonomischer die Ausstattung, desto bessere Grundbedingungen werden für die Mitarbeitergesundheit geschaffen. Eine Überlegung wert sind in dieser Hinsicht beispielsweise Förderungen für

  • Schreibtische in variabler Höhe gegen Rückenschmerzen.
  • dynamische Bürostühle gegen Verspannungen.
  • Laptops mit Blaulichtfilter gegen Augen- und Kopfschmerzen.
  • Brillen, die für die Sehabstände bei der Computerarbeit optimiert sind.
  • Online-Zusatzleistungen der Betrieblichen Gesundheitsförderung.

 

Notwendige Arbeitsmittel wie Handys und Laptops werden laut der DAK in fast 90 Prozent aller Fälle bereitgestellt. Zusätzliche Arbeitsmittel wie Bürostühle stellen zumindest noch 65 Prozent aller Arbeitgeber. An zusätzliche Leistungen der Betrieblichen Gesundheitsförderung denken dagegen nur elf Prozent. Vor der Krise bestand betriebliche Gesundheitsförderung primär aus Präsenzveranstaltungen. Für dahingehende Maßnahmen sind Mitarbeiter im Homeoffice nicht erreichbar. Nach einer ersten Gefährdungsbeurteilung der Telearbeitsplätze müssten Firmen dezentral funktionierende Maßnahmen zur künftigen Gesundheitsförderung etablieren.

Digitales BGM: So gelingt die Mitarbeiteraktivierung

Die Teilnehmeraktivierung ist die größte Hürde für Gesundheitsförderung im Homeoffice. Als Lösung bieten sich digitale Kanäle wie Apps an. Über jene können Arbeitgeber regelmäßig zu gesundheitsförderlichen Seminaren und Workshops einladen. Solche Angebote sind idealerweise nahtlos in den Arbeitsalltag der Arbeitnehmer integrierbar. Am besten richten sich die jeweiligen Inhalte nach individuellen Bedürfnissen und berücksichtigen bestehende Probleme. Als thematische Schwerpunkte kommt neben Bewegung am Heimarbeitsplatz und Stressmanagement beispielsweise gesundes Kochen im Homeoffice in Frage. Möglichkeiten der Personalisierung erhöhen die Teilnehmerzahl. Zum Beispiel ließen sich durch Wearables Gesundheitsdaten erheben, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu demonstrieren. Auch Challenges auf der Basis jener Daten können eine Möglichkeit sein, die Motivation zu steigern. Wichtig ist, dass digitale BGM-Inhalte zu Hause umsetzbar sind und von den Mitarbeitern begrüßt werden.

 


Tipp:

Expertentipp zum BGM im Homeoffice: Was brauchen die Mitarbeiter? Wie sieht ihr aktueller Arbeitsalltag aus und was beschäftigt sie gesundheitlich? Erfolgreiche BGM-Maßnahmen für das Homeoffice knüpfen an diese Dinge an. Am besten fragen Arbeitgeber regelmäßig nach, um ihre konkreten Gesundheitsbedürfnisse zu ermitteln und gezielte Maßnahmen zu entwickeln.


 

Telemedizinische Zusatzleistungen: Gesundheitschecks ohne Präsenzpflicht

Neben Unterstützung bei der Arbeitsplatzgestaltung und Online-Angeboten aus Workshops zählen auch Gesundheitschecks im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements für Homeoffice-Mitarbeiter. Individuell durchführbare Gesundheitstests und daran anknüpfende Coachings können eine erste Basis sein. Durch die Anpassungen des Fernbehandlungsverbots lohnt ein zusätzlich telemedizinisches Angebot. Gerade in der Pandemie scheuen viele Mitarbeiter den Besuch einer Arztpraxis. Daher ist es umso sinnvoller, ihnen bei konkreten Beschwerden sowie allgemeinen Gesundheitsfragen Chancen auf medizinische Beratung zu eröffnen. Dafür kann ein Betriebsarzt mit telemedizinischer IT-Infrastruktur sorgen. Gibt es in einer Firma keinen, bietet sich alternativ die Kooperation mit spezialisierten Telemedizin-Anbietern an.

 


Tipp:

Zusatzleistungstipp für BGM im Homeoffice: Im gesetzlichen Leistungskatalog der Krankenkassen gibt es einige Lücken. Mit einer betrieblichen Krankenversicherung schließen Arbeitgeber eine Kranken- oder auch Pflegezusatzversicherung zur Ergänzung des gesetzlichen Leistungsspektrums ab. Der Leistungsumfang lässt sich nach Baukastenprinzip auf den Bedarf abstimmen. Arbeitgeber können hierbei gesundheitliche Herausforderungen im Homeoffice berücksichtigen.


Fazit: Digitale BGM-Angebote steigern die Wettbewerbsfähigkeit

Um sich zu positionieren, müssen Arbeitgeber ihr BGM an die durch den Homeoffice-Boom veränderten Rahmenbedingungen anpassen. Nur so können sie das heutzutage wichtige Image eines Gesundheitspartners für Arbeitnehmer aufrechterhalten und beweisen Wertschätzung gegenüber ihrer Mitarbeiter. Je mehr sich Arbeitnehmer geschätzt fühlen, desto größer ihre Motivation. Nicht außer Acht lassen sollten Unternehmen bei ihren BGM-Angeboten die psychische Situation. Viele Angestellte leiden unter der Isolation und fühlen sich im Homeoffice manchmal einsam. Durch digitales BGM mit Angeboten wie Challenges reduziert sich die subjektiv empfundene Einsamkeit. Wie körperliches Wohlbefinden steigert auch dies die Leistungsfähigkeit, sodass Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern.