Employee Assistance Program (EAP) – breiter Nutzen bei überschaubaren Kosten

2012 waren in Deutschland psychische Störungen für mehr als 53 Millionen Krankheitstage verantwortlich. Und knapp 90% der Personalmanager in Deutschland bestätigen, dass in ihrem Unternehmen Mitarbeiter aufgrund psychischer Probleme belastet sind und dadurch leistungsauffällig werden – Tendenz steigend. Die Hintergründe dafür können vielfältig sein:

– Beruflicher Stress
– Veränderungsprozesse im Unternehmen
– Konflikte mit dem Vorgesetzten oder mit Kollegen
– Familiäre Sorgen
– Gesundheitliche Probleme, Krankheit, depressive Verstimmung
– Schulden oder finanzielle Nöte
– Erhöhter Alkoholkonsum, Spielsucht o.ä.

Experten gehen davon aus, dass insgesamt 20% aller Beschäftigten aufgrund psychischer, sozialer oder gesundheitlicher Probleme leistungsgemindert sind. Die Leistungsminderung beträgt durchschnittlich 25%. Der daraus resultierende rechnerische Produktivitätsverlust lässt sich für Ihr Unternehmen so ermitteln (sog. „Stanford-Formel“).

 


Berechnung Produktivitätsverlust: Die Stanford-Formel

  1. Anzahl der Beschäftigten x 0,2 (da 20 %, s.o.) = Anzahl betroffener Mitarbeiter
  2. Anzahl betroffene Mitarbeiter x Durchschnittsgehalt = Durchschnittsgehalt der betroffenen Mitarbeiter
  3. Durchschnittsgehalt der betroffenen Mitarbeiter x 0,25 (da 25 %, s.o.) = Produktivitätsverlust durch nicht erbrachte Leistung

 


Die Grundidee

An diesem Punkt setzen EAP-Programme an (EAP = „Employee Assistance Program“). Die Grundidee ist, Mitarbeiter und Führungskräfte dabei zu unterstützen, selbst für ihr Wohlbefinden und ihre Leistungsfähigkeit zu sorgen, indem sie praxistaugliche Lösungen für persönliche, berufliche oder gesundheitliche Probleme finden.

Ein funktionierendes EAP erzielt daher eine sehr umfassende gesundheitsförderliche Wirkung – bei einem attraktiven Kosten-Nutzen-Verhältnis. Nach Aussage betrieblicher Gesundheitsmanager ist EAP die Maßnahme mit dem besten Wirkungsgrad im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung (Note 1,6 auf einer Skala von 1-6).

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen bietet ein EAP damit die Möglichkeit, die begrenzten Mittel im Betrieblichen Gesundheitsmanagement besonders effizient einzusetzen.

 


So funktioniert es – ein Beispiel aus der Praxis

Stefan Reimers, Abteilungsleiter bei einem mittelständischen Produktionsbetrieb, macht sich Sorgen. Martin Pietsch, sonst einer seiner besten Mitarbeiter, zeigt seit Wochen einen deutlichen Leistungs-abfall, wirkt oft wie abwesend, Fehler häufen sich.

Herr Reimers ist zunächst unsicher, ob er das Thema ansprechen soll. Er befürchtet, dass Herr Pietsch sich durch ein Gespräch unter Druck gesetzt fühlen und die Situation sich dadurch verschlimmern könnte. Als Martin Pietsch jedoch gegenüber einem Kunden ausfallend wird und auch Teamkollegen sich über ihn beschweren, wird klar, dass es so nicht weiter gehen kann.

Das Unternehmen hat schon seit einiger Zeit mit einem externen Dienstleister einen Rahmenvertrag über ein „Employee Assistance Program“ abgeschlossen. Reimers vereinbart kurzfristig einen Telefontermin und tauscht sich mit einem Berater über seine Sorgen und mögliche nächste Schritte aus. Auf das anschließende Gespräch mit seinem Mitarbeiter ist er bestens vorbereitet. Im Verlauf des Gesprächs stellt sich heraus, dass Herr Pietsch seit kurzem in Scheidung lebt. Die Trennung und die damit verbundenen Sorgen belasten Herrn Pietsch stark, führen zu erheblichen Stressreaktionen und körperlichen Beschwerden. Zusammen mit seinem anspruchsvollen Job sind ihm die Dinge einfach über den Kopf gewachsen.

Auf Empfehlung seines Vorgesetzten nutzt auch Martin Pietsch die Beratungsmöglichkeit im Rahmen des EAP. In mehreren vertraulichen Beratungsgesprächen erarbeitet er Strategien, um mit seiner privaten Situation besser umgehen und den gesundheitlichen Problemen gezielt begegnen zu können. Sein Befinden verbessert sich wieder, und auch für die Teamkollegen wird die Veränderung bald spürbar.

 


Checkliste: Kriterien für die Auswahl eines EAP-Dienstleisters

Wenn Sie sich für die Einführung eines EAP entscheiden, sollten bei der Auswahl des Anbieters folgende Punkte sorgfältig geprüft werden:

1. Verfügt der Dienstleister über ausreichend qualifiziertes Personal (z.B. Ärzte, Psychologen, Pädagogen etc. mit entsprechender Zusatzausbildung)?

2. Verpflichtet sich der Dienstleister auf anerkannte Beratungsansätze und –methoden?

3. Wird die Beratungsqualität laufend gemessen und verbessert? Wie?

4. Gibt es spezielle Beratungsangebote für Führungskräfte?

5. Wie kurzfristig können Beratungstermine vereinbart werden?

6. Gibt es sowohl telefonische als auch persönliche Beratungsangebote?

7. Wie viele Beratungstermine pro Mitarbeiter werden geleistet?

8. Gibt es Beratungsmöglichkeiten rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr?

9. Gibt es – sofern für Ihr Unternehmen relevant – Standorte des Dienstleisters bundesweit?

10. Gibt es Angebote zur unmittelbaren Krisenintervention (z.B. nach einem Überfall, Arbeitsunfällen, Selbstmord eines Kollegen…)?

11. Verfügt der Dienstleister über ein funktionales Netzwerk weiterer Kooperationspartner und Anlaufstellen (Therapeuten, Kliniken, Beratungsstellen etc.)

12. Wie stellt der Dienstleister die Vertraulichkeit der Beratung sicher?

13. Bietet der Dienstleister ein funktionales Kommunikationskonzept zur Einführung des EAP an?

14. Gibt es weitere Services wie Newsletter, Vorträge, Beteiligung an Gesundheitstagen o.ä. – und entstehen dafür zusätzliche Kosten?

15. Erhält Ihr Unternehmen regelmäßig ein übergeordnetes und aussagekräftiges Reporting über die erbrachte Dienstleistung?


Autorin: Christine Frühauf, Gesundheitsberaterin & Trainerin für Führungskräfteentwicklung

 


Quellen:

  1. Stressreport 2012 der Bundesregierung.
    Online unter http://www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/Gd68.html 
  2. DGFP-Studie 2011: Megatrends und HR Trends.
    Online unter https://static.dgfp.de/assets/empirischestudien/2011/DGFP-Studie-Megatrends.pdf
  3. EuPD (Hg.): Corporate Health Jahrbuch 2012, befragt wurden 216 Gesundheitsmanager in Unternehmen

 

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