Betriebliche Suchtprävention – Eine wichtige Säule des betrieblichen Gesundheitsmanagements

Die heutige, zunehmend erfolgsorientierte Arbeitswelt, ist geprägt durch hohen Leistungs- und Erfolgsdruck, lange Arbeitszeiten sowie dauerhaft hohe Konzentrations- und Flexibilitätsanforderungen. Unter solchen Umständen fällt es immer mehr Arbeitnehmern schwer, diese langfristig auf gesunde Weise zu bewerkstelligen (Ducki, 2013). Kommen weitere Faktoren wie chronische Überlastungen, berufliche Erniedrigung oder auch persönliche Frustration hinzu, verstärkt dies das Risiko für psychische Krankheiten. Zu diesen zählen Burnout oder gar Depressionen, aber auch Suchterkrankungen. Suchtprobleme durch den Konsum von Alkohol, Nikotin, Medikamenten oder illegalen Drogen spielen daher zukünftig eine immer größere Rolle (Gusia, Freigang-Bauer, Gröben, 2013). Dabei ist Alkohol in Deutschland die psychoaktive Substanz, die am weitesten verbreitet ist (Gravert, 2013). Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) zeigt die 12- Monatsprävalenz im Jahr 2010 für Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren, dass 21,1% der Frauen und sogar 32,4% der Männer einen bedenklichen Konsum an alkoholischen Getränken aufweisen. Somit besteht bei einem Drittel der Männer in der erwerbstätigen Altersgruppe ein gesundheitsschädigendes Trinkverhalten.

 


Leistungseinbußen & erhöhtes Risikoverhalten

Jedoch ist die Arbeitswelt nicht nur ausschließlich ein Auslöser für Suchterkrankungen, sondern ist ebenso Betroffener dieses Problems. Der Verlust an Produktivität, bedingt durch suchtabhängigen Präsentismus, ist erheblich. Während der Arbeitszeit von suchtkranken Mitarbeitern kommt es zu beachtlichen Leistungseinbußen. Ebenso sind ein erhöhtes Risikoverhalten, vermehrte Arbeitsunfälle und häufige Fehler am Arbeitsplatz zu verzeichnen. Aber auch das allgemeine Arbeitsklima unter den Kollegen wird in Mitleidenschaft gezogen (Ducki, 2013). Auch wenn mittlerweile vielen Unternehmen bewusst ist, dass sich die Einführung eines ganzheitlichen Gesundheitsmanagements positiv auf das allgemeine Betriebsklima und auch auf ökonomische Aspekte auswirkt, bedarf es jedoch weiteren Interventionen im Rahmen der betrieblichen Suchtprävention (Tielking, 2013). In den 90er Jahren wurden bereits elementare Fragen zu den wesentlichen Inhalten, zum Aufbau und ebenso zu Angeboten im Bereich der betrieblichen Suchtprävention formuliert. Diese Ansatzpunkte lassen sich im Rahmen eines betrieblichen Gesundheitsmanagement umsetzten. Ebenso können betriebliche Suchtpräventionsprogramme von weiteren Entwicklungen innerhalb des betrieblichen Gesundheitsmanagements profitieren (Tielking, 2013).

 


Führungskräfte & Betriebsvereinbarung

Langfristige Erfolge von suchtpräventiven Interventionen kommen durch eine ausdrückliche Formulierung der präventiven Maßnahmen im Rahmen einer Betriebs- oder Dienstvereinbarung zum Ausdruck. Im Mittelpunkt derer stehen stufenweise Vereinbarungen, in denen der Umgang mit Suchtproblemen im eigenen Unternehmen festgehalten werden. Durch sie werden die suchtpräventiven Maßnahmen verbindlich für alle Mitarbeiter, aber auch für die Führungskräfte des Unternehmens, welche für die Umsetzung an erster Stelle verantwortlich sind.

Eine gut durchdachte Betriebsvereinbarung enthält außerdem festgeschriebene Schulungen für Mitarbeiter und vor allem Führungskräfte (Wallroth, Schneider, 2013). Denn im Rahmen einer betrieblichen Suchtprävention liegt es besonders in der Hand der Personalvertreter und Führungskräfte, den Weg zu einem gesünderen Unternehmen mit Hilfe von suchtpräventiven Maßnahmen kontinuierlich umzusetzen (Seele, Janecke, 2013). Dies erfordert besondere Führungskompetenzen. Durch Schulungen für die Führungskräfte wird primär vermittelt, wie Suchtmittelauffälligkeiten im Unternehmen erkannt und kommuniziert werden sollen. Führungskräfte müssen somit in der Lage sein, das Verhalten ihrer Mitarbeiter genau zu beobachten, suchtabhängige Auffälligkeiten aufzuspüren und angemessen zu bewerten, um passende Maßnahmen einzuleiten. Die Beurteilung der Arbeitsleistung und des sozialen Verhaltens der Mitarbeiter erweisen sich dabei durchaus als komplexe und vielschichtige Vorgänge, die ohne entsprechendes Coaching der Führungskräfte nicht zu leisten sind (Wallroth, Schneider, 2013).

Gesund Führen IV – Umgang mit psychisch & suchtkranken Mitarbeitern


Betriebliche Suchtprävention

Die Einführung einer betrieblichen Suchtprävention im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements bringt ebenso Herausforderungen mit sich und hat ihre Grenzen. Diese müssen deshalb zusätzlich mit kritischen Augen betrachtet werden. Beispielsweise legt die betriebliche Suchtprävention ihren Fokus bisher vorwiegend auf das Suchtmittel Alkohol. Weitere potentielle Abhängigkeitssubstanzen wie Medikamente oder Drogen, finden in betrieblichen Präventionsmaßnahmen zwar zunehmend mehr Beachtung, der Konsum von Tabak dagegen wird jedoch in den wenigsten Fällen berücksichtigt. Dabei zählt der Tabakkonsum, neben dem Konsum von Alkohol, zu den häufigsten Suchtmitteln in Deutschland.

Ein möglicher Grund dafür könnten die ausbleibenden Funktionsbeeinträchtigungen unter Einfluss von Tabakkonsum sein, welches ein vergleichsweise geringes Sicherheitsrisiko für das Unternehmen darstellt. (Wallroth, Schneider, 2013). Eine zusätzliche Herausforderung ergibt sich aus der Tatsache, dass Suchtmittelabhängigkeiten in den meisten Fällen mit anderen psychischen Störungen korrelieren. Für das Unternehmen sind daher neben dem Suchtmittelkonsum auch die oftmals dahintersteckenden Störungsbilder von Bedeutung. Der Gedanke einer ganzheitlichen Betrachtung muss deshalb zusätzlich zu den reinen suchtpräventiven Maßnahmen noch einmal überdacht werden und zukünftig die psychische Gesundheit als festen und wichtigen Bestandteil miteinbeziehen (Wallroth, Schneider, 2013).

 


Fazit

Mit Blick in die Zukunft lässt sich zusammenfassen, dass der Weg hin zu einer gelungenen Suchtprävention komplexe Anforderungen mit sich bringt. Diese gilt es kontinuierlich zu überdenken und durch gelungene Maßnahmen umzusetzen. Präventive Suchtmaßnahmen benötigen primär einen deutlichen und einvernehmlichen Leitgedanken im Umgang mit Suchtmittelabhängigkeiten. Darüber hinaus müssen sie besonders durch die Führungskräfte zielstrebig und vor allem verantwortungsbewusst eingehalten und kompetent umgesetzt werden (Seele, Janecke, 2013).

Grundsätzlich kann die betriebliche Suchtprävention in Unternehmen ebenso wie ein betriebliches Gesundheitsmanagement Kosten senken und zu einem langfristig gesunden und produktiven Unternehmen beitragen. Daher sollten diese als Einheit betrachtet werden und zukünftig weitere Maßnahmen anstreben (Tielking, 2013). Ergänzende Medien, wie zum Beispiel Filme im Rahmen von Schulungen, könnten zusätzlich eine sinnvolle Verstärkung für die betrieblichen Informationen zur Suchtprävention sein. Jedoch lässt sich die Betriebskultur und ein positives Verhalten der Mitarbeiter nach wie vor am effektivsten durch eine aufrichtige Kommunikation im Unternehmen beeinflussen und langfristig verändern. Die Einführung einer betrieblichen Suchtprävention sollte daher Verständnis und Fürsorge bei den Führungskräften fördern und diese für suchtabhängige Auffälligkeiten ihrer Mitarbeitern sensibilisieren (Seele, Janecke, 2013).

 


Autorin: Christina Maleen Goedel, Young-Health-Expert

 


Quellen:

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (2012). Legale Suchtmittel sind das größte Problem! (Neues Jahrbuch Sucht 2012). Verfügbar unter: www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Presse/2012/2012-04-12_PM_Substanzen.pdf (25.04.2014)

Ducki, A. (2013): Verdammt zum Erfolg – die süchtige Arbeitsgesellschaft? In: Abeler, J. & Badura, B. (Hrsg.) Verdammt zum Erfolg die süchtige Arbeitsgesellschaft? (Fehlzeiten-Report Bd. 2013.) S. 3- 9. Berlin: Springer.

Gravert, C. (2013): Suchtprävention in Verkehrsunternehmen am Beispiel der Deutschen Bahn. In: Abeler, J. & Badura, B. (Hrsg.) Verdammt zum Erfolg die süchtige Arbeitsgesellschaft? (Fehlzeiten-Report Bd. 2013.) S. 243- 250. Berlin: Springer.

Gusia, G., Freigang- Bauer, I., Gröben, F. (2013): Betriebsgeheimnis Sucht – Eine Expertise für das Bundesministerium für Gesundheit zur Situation in Kleinst- und Kleinunternehmen. In: Abeler, J. & Badura, B. (Hrsg.) Verdammt zum Erfolg die süchtige Arbeitsgesellschaft? (Fehlzeiten-Report Bd. 2013.) S. 209- 216. Berlin: Springer.

Seele, S., Janecke, A. (2013): Betriebliche Suchtprävention bei der Berliner Stadtreinigung. In: Abeler, J. & Badura, B. (Hrsg.) Verdammt zum Erfolg die süchtige Arbeitsgesellschaft? (Fehlzeiten-Report Bd. 2013.) S. 251- 259. Berlin: Springer.

Tielking, K. (2013): Ökonomische Aspekte der betrieblichen Suchtprävention. In: Abeler, J. & Badura, B. (Hrsg.) Verdammt zum Erfolg die süchtige Arbeitsgesellschaft? (Fehlzeiten-Report Bd. 2013.) S. 125- 132. Berlin: Springer.

Wallroth, M., Schneider, B. (2013): Betriebliche Suchtprävention und Suchthilfe – Maßnahmen, Herausforderungen und Chancen. In: Abeler, J. & Badura, B. (Hrsg.) Verdammt zum Erfolg die süchtige Arbeitsgesellschaft? (Fehlzeiten-Report Bd. 2013.) S. 201- 207. Berlin: Springer.

 

 


Weitere Informationen zum Thema:

» Physische und psychische Ausgleichmöglichkeiten schaffen »

» Stresstrainings für Ihre Mitarbeiter und Führungskräfte »

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