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Work-Life-Balance – Ein Leitfaden für Führungskräfte & Mitarbeiter

 Inhaltsverzeichnis

  1. Work-Life-Balance in der Leistungsgesellschaft – Geht das?
  2. Bitkom-Studie: Arbeiten in der digitalen Welt (2013)
  3. Lebensphasenspezifische Zeit- und Selbstmanagement
  4. Übung zum Wertemanagement und Prioritätenmanagement
  5. Hörprobe: Gedankenmanagement – Work-Life-Balance fängt im Kopf an
  6. Online-Fragebogen & Checkliste: 5 Praxis-Tipps für eine ausgeglichene Work-Life-Balance
  7. Seminare für mehr Work-Life-Balance für Führungskräfte
  8. Die Work-Life-Balance der berufstätigen Frauen
  9. Best-Practice: Daimler & VW AG als Beispiele in deutschen Unternehmen
  10. Praxis-Tipps: Erholung von der Arbeit – 7 Tipps für eine optimale Erholung aus arbeitspsychologischer Sicht
  11. Literaturverzeichnis zur Verbesserung der Work-Life-Balance:
  12. Work-Life-Balance-Buchtipp: „The big five for Life“, John Strelecky

 

Work-Life-Balance im Unternehmen


1. Work-Life-Balance in der Leistungsgesellschaft - Geht das?

Work-Life-Balance in der Leistungsgesellschaft – Geht das?

Work-Life-Balance ist in der heutigen Gesellschaft zum Modebegriff geworden, der in der Medienwelt immer und überall präsent zu sein scheint. Diese Tatsache deutet darauf hin, dass der Ausgleich zwischen privatem Leben und Berufswelt für die modernen Menschen zum wichtigen Thema geworden ist. Zunehmend stellt die Balance zwischen den beiden Polen aber auch ein ernstes Problem dar. Denn gerät die Harmonie aus dem Gleichgewicht, kann das schwerwiegende gesundheitliche Folgen mit sich bringen. Das ist nicht nur für den einzelnen Mitarbeiter von Relevanz, für das Unternehmen wird diese Bedrohung mehr und mehr zu einem nicht zu unterschätzenden wirtschaftlichen Faktor.

Meist ist dennoch jeder einzelne Mitarbeiter für seine individuelle Work-Life-Balance ganz persönlich verantwortlich. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen Facharbeiter oder einen Akademiker handelt. Um Kosten durch Krankheitsausfälle zu vermeiden, wäre es aber durchaus sinnvoll, sich von Unternehmerseite im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements mit dem Thema zu beschäftigen. Die Aufgabe, im eigenen Leben eine ausgeglichene Work-Life-Balance zu schaffen, betrifft alle Personen in einem Unternehmen, quer durch alle Hierarchien. Um diese Aufgabe bewältigen zu können, helfen Strategien und Techniken, die leicht zu erlernen sind. Die Prävention von gesundheitlichen Folgen einer gestörten Work-Life-Balance bringt allen Beteiligten etwas und kann in der Gemeinschaft auch noch Spaß machen.
Veränderte Herausforderungen der modernen Welt

Heutzutage stellen sich dem arbeitenden Menschen ganz andere Herausforderungen als noch vor wenigen Jahren. Die elektronischen Medien sind in fast alle Berufe eingezogen und eröffnen vorher ungeahnte Möglichkeiten. Mit dem Smartphone ist ein Mitarbeiter für seinen Chef rund um die Uhr verfügbar. Um mit diesen Veränderungen verantwortungsvoll umgehen zu können, sind Chef und Untergebener gleichermaßen gefordert. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement sollte ihnen dabei zur Seite stehen, die modernen Herausforderungen so zu meistern, dass auch die menschlichen Bedürfnisse nicht hintan stehen müssen. Dann können die neuen Medien gemeinsam sinnvoll und erfolgreich genutzt werden.

» Eine aktuelle BITKOM-Studie zum Umgang mit modernen Medien & den Risiken für die Work-Life-Balance finden Sie hier «

 

Nicht unbewusst ins Hamsterrad geraten

Oft lässt man sich im Alltag vom Strudel der Dinge, die von allen Seiten einströmen, mitreißen. Das muss nicht sein, wenn man versucht, mit wachem Bewusstsein an die Aufgaben heran zu gehen. Nur wer dazu fähig ist, sich im Beruf während stressiger Phasen Ausgleichsmöglichkeiten zu bewahren, kann auch im Privatleben seine Entspannung finden. Es gibt sehr einfache und auch etwas aufwändigere Strategien auf dem Weg zu einer gesunden Work-Life-Balance. Beginnen wir mit den etwas umfangreicheren.

 

2. BITKOM-Studie: Arbeiten in der digitalen Welt (2013)

BITKOM-Studie: Arbeiten in der digitalen Welt (2013)

Bitdom-Studie Arbeiten in der digitalen Welt

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3. Lebensphasenspezifische Zeit- und Selbstmanagement

Lebensphasenspezifische Zeit- und Selbstmanagement

 Es gibt für alles eine Zeit. Die 20er sind meist die Lehrjahre, die wir mit Ausbildung oder Studium verbringen. Die 30er stehen oft im Zeichen der Karriere bis man in den 40ern dann die Familie in den Lebensmittelpunkt rückt. Mit Ende der 50er sind die Kinder dann so langsam aus dem Haus und in den 60er lassen es dann viele etwas ruhiger angehen.

 So wie sich die Zeit verändert, ändern sich auch Ihre entsprechenden Zielsetzungen und Prioritäten im Leben. Das bedeutet, dass Sie sich in unterschiedlichen Phasen Ihres Lebens Ihre Zeit auch unterschiedlich einteilen sollten. Je nach dem wo Sie Ihre lebensphasenspezifischen Ziele gesetzt haben müssen Sie entscheiden, wo ein Großteil Ihrer Zeit hinein fließt – Ausbildung, Arbeit, Familie, Freundschaften oder Freie zeit für sich selbst. Um sich darüber bewusst zu werden in welcher Phase Ihres Lebens Sie sich gerade befinden und was Ihre Schwerpunkte sind, sollten Sie sich etwas Zeit nehmen. 1-2mal im Jahr einen halben Tag, z.B. im Jahresurlaub oder zur Jahreswenden bieten sich hierfür meist an, da Sie hier meist genügend Abstand zum Alltag haben um sich um Ihren persönlichen Ziele und Werte Gedanken zu machen.

 

4. Übung zum Wertemanagement und Prioritätenmanagement

Übung zum persönlichen Wertemanagement und Prioritätenmanagement

Um zu einer ausgewogenen Work-Life-Balance zu finden ist es wichtig zu wissen was einem wann wirklich wichtig ist. Hierfür spielen die persönlichen Werte eine zentrale Rolle. Eine sehr effektive Methode hierfür soll hier einmal kurz beschrieben werden.

 


 

Aufgabe zum persönlichen Wertemanagement: „Rede zu meinem 80. Geburtstag“

1) Stellen Sie sich vor, Sie sind auf der Feier zu Ihrem 80. Geburtstag.

• Wo sind Sie gerade?
• Wer ist anwesend?
• Was ist für ein Wetter?
• Wer ist der Redner auf Ihrem 80. Geburtstag?

2) Stellen Sie sich nun vor, Sie könnten Ihre eigene Geburtstagsrede schreiben. Was möchten Sie, dass der Redner (z.B. ein guter Freund/ Freundin/ Familienangehörige) über Sie zu diesem Anlass sagt? Schreiben Sie diese Rede nun auf ein Blatt. Diese sollte einen Umfang von 2x DINA4-Seiten nicht überschreiten.

3) Überlegen Sie sich jetzt, was auf Ihrer Geburtstagstorte stehen soll?

4) Sammeln Sie anschließend 5–10 Stichpunkte als Erkenntnis aus Ihrer Geburtstagsrede. Was ist Ihnen in Ihrem Leben wirklich wichtig?

5) Sortieren Sie nun diese Stichpunkte den Prioritäten nach. Das was Ihnen am Wichtigsten ist kommt nach oben.

6) Fertig ist Ihre aktuelle Werte-Liste!


 

Fazit

Und wie viel Zeit nehmen Sie sich für die wirklich wichtigen Dinge in Ihrem Leben?
Nun haben Sie eine aktuelle Liste mit Ihren persönlichen Werten. Sie haben diese so eingeteilt, wie Sie Ihnen aktuell am wichtigsten sind. Mit dieser Liste können Sie sich nun Ihre Tages- und Wochenzeiten so einteilen, wie diese am besten Ihren Prioritäten entsprechen. Tragen Sie sich als Erkenntnis aus Ihrer Werte-Liste nun einen neuen (Serien)-Termin in Ihren Kalender ein, für etwas, dass Ihrer Meinung nach in der Vergangenheit zu kurz gekommen ist.

Überdenken Sie nun noch einmal, ob Sie sich hierfür jetzt mehr Zeit einplanen möchten. Wenn Sie zu einem Entschluss gekommen sind, dann TUEN SIE ES! Denken Sie nicht mehr jedes Mal darüber nach, ob Sie sich jetzt gerade die Zeit dafür nehmen sollten oder können, sondern TUEN SIE ES EINFACH!

Mit dieser einfachen Methode sorgen Sie dafür, dass Sie sich wieder etwas mehr Zeit für die wichtigen Dinge in Ihrem Leben nehmen und vielleicht erscheinen Ihnen andere Dinge nun gar nicht mehr so wichtig und bereiten Ihnen auch weniger Stress.
Nun, wo Sie wissen was Ihnen im Leben wirklich wichtig ist, relativieren sich einige Dinge vielleicht und Sie haben festgestellt, dass in der Vergangenheit Einiges in den Mittelpunkt Ihres Lebens gerückt ist, das eigentlich gar nicht so viel Zeit „fressen“ sollte und anderen Dingen sollten Sie vielleicht zukünftig wieder etwas mehr Zeit widmen, so z.B. der Erhaltung und Pflege Ihrer Gesundheit oder Familie. Hierfür haben wir im folgenden Verlauf ein paar praktische Tipps für Sie zusammengestellt.

5. Hörprobe: Gedankenmanagement - Work-Life-Balance fängt im Kopf an

Work-Life-Balance fängt im Kopf an – Gedankenmanagement als Grundlage für mehr Zufriedenheit (Hörprobe)

„Am Anfang war der Gedanke“ – Wie Sie denken bestimmt Ihr Handeln. Wenn Sie immer nur darauf achten, was gerade nicht gut läuft oder besser laufen könnte, dann sehen Sie natürlich auch viel häufiger das was nicht optimal oder perfekt ist. Wenn Sie sich häufig über Kollegen oder andere Menschen aufregen, was diese falsch machen oder wie Sie das besser gemacht hätten, dann werden Sie sich auf Dauer auch immer mehr über Ihre Mitstreiter aufregen und diesen Frust vielleicht nach der Arbeit mit in Ihre Familie tragen. Wenn dann auch dort nicht alles so läuft, wie Sie es sich wünschen und vorstellen, dann überträgt sich der berufliche Frust vielleicht auch in Ihr persönliches Umfeld und Sie müssen sich selbst dort weiter ärgern. Spinnen Sie diesen Faden weiter und Sie werden erkennen, dass Ihre Gedanken und Erwartungen einen großen Einfluss auf Ihren Alltag haben und Sie vielleicht auch einen hohen Preis dafür bezahlen.

„Was kosten mich meine Gedanken?“ – So heißt ein Kapitel aus Jens Corssens Bestseller-Buch „Der Selbstentwickler“. In diesem Buch geht es darum, die Verantwortung für sich und seine Lebensgestaltung selbst zu übernehmen und nicht anderen die Schuld dafür zu geben, dass es gerade nicht so läuft, wie man es sich vorgestellt hat. Der Psychologe und Motivationstrainer Jens Corssen beschreibt auf sehr humorvolle Art und Weise anhand von Praxisbeispielen aus Beruf und Privatleben, wie Sie Ihre Gedanken selbst managen können und wie Sie Ihrem „Quatschi“ zukünftig nicht mehr alles glauben, was er Ihnen sagt.

 

Hier hören Sie einen Ausschnitt zum Thema

Was kostet mich mein Denken von Jens Corssen?

6. Online-Fragebogen & Checkliste: 5 Praxis-Tipps für eine ausgeglichene Work-Life-Balance

5 Praxis-Tipps für eine ausgeglichene Work-Life-Balance

 

♦ Tipp 1: Abschalten

Wer sich bei einer wichtigen Arbeit, die höchste Konzentration erfordert, ständig vom Telefon unterbrechen lässt, gerät leicht in Stress. Eine so überfordernde Situation kann man dadurch vermeiden, dass man das Telefon schon vorher auf den Empfang umleitet. Auch im Privatleben muss man nicht immer und für Jeden erreichbar sein. Auch hier kann ein bewusstes Abschalten des Handys ab einer bestimmten Uhrzeit zur Work-Life-Balance beitragen. Wer noch einen Schritt weiter gehen möchte kann es auch einmal mit dem sogenannten „E-Fasten“ probieren.

 


♦ Tipp 2: „Nein-sagen“

Nicht nur das Telefon, auch die nette Kollegin aus dem Nachbarbüro kann ablenken. Wer häufig konzentrationsintensive Aufgabe zu erledigen hat, sollte die Fähigkeit des ‚Nein Sagens‘ beherrschen und auf freundliche, aber unmissverständliche Art einsetzen. Diese lässt sich mit „kleinem Nein-Sagen“ ganz gut trainieren, so dass es dann beim „großen Nein-Sagen“ auch klappt.

 


♦ Tipp 3: Entspannungsübungen

Kommt doch mal Stress auf, helfen Anleitungen zu Entspannungsübungen, wie z.B. diese Gratis-App: „Alltags-Entspannung“ » zum Gratis-App-Download«. Hier finden Sie praktische Übungen zur Progressiven Muskelentspannung, Fantasiereisen, Autogenes Training oder Atementspannung, die Sie ohne Vorbereitung ganz einfach mitmachen können. Egal ob Sie im Zug, im Flieger, im Auto oder im Büro sitzen. Die 5-max. 20minütigen Entspannungstechniken wirken sofort und benötigen keinen Aufwand.

 


♦ Tipp 4: Die „1-Minute-Business-Meditation“ – Technik und Strategie für schnellen Stressabbau

Um einen Einblick in eine Technik für eine ausgeglichen Work-Life-Balance zu bekommen kann dieses Video eine Unterstützung sein. Probieren Sie die „1-Minute-Business-Meditation“ doch selbst einmal aus.

 

Die 5 Minuten-Meditation

 


♦ Tipp 5: Sich selbst im Auge behalten

In den folgenden Online-Tests können Sie prüfen, ob mit Ihrer Work-Life-Balance alles in Ordnung ist.

» Online-Fragebogen: Work-Life-Balance finden Sie hier «

 

Diese und noch viele andere Tipps und Methoden für eine gute „Work-Life-Balance“ erhalten Sie, Ihre Mitarbeiter oder Führungskräfte in unseren Seminaren mit dem Titel:

8. Die Work-Life-Balance der berufstätigen Frauen

8. Die Work-Life-Balance der berufstätigen Frauen

 

Die Work-Life-Balance der berufstätigen Frauen

Eine besondere Herausforderung ist das Berufsleben für karrierewillige Frauen mit Kindern. Das Thema Work-Life-Balance ist für diese Personengruppe von eminenter Bedeutung, denn sie können ihre Freizeit nicht alleine zum Ausgleich nutzen, sondern müssen auch noch die Familie effizient durchorganisieren. Die österreichische Internet Plattform w-fForte beschäftigt sich eingehend mit dieser Problematik. Dort finden sich interessante Publikationen und Studien zum Download mit Themen wie ‚Frauen in Führungspositionen‘ oder ‚Vereinbarkeit von Familie und Beruf‘.

» Mehr zum Thema „Work-Life-Balance von berufstätigen Frauen“ finden Sie hier «

 

Die 5 Minuten-Meditation

9. Best-Practice: Daimler & VW AG als Beispiele in deutschen Unternehmen

Best-Practice: Daimler & VW AG als Beispiele zur Förderung der Work Life Balance in deutschen Unternehmen

Sich den Herausforderungen der zunehmend von elektronischen Medien beherrschten Welt zu stellen, gehört auch zu den Aufgaben eines modernen Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Da es sich bei diesem Thema um eine hierarchieübergreifende Fragestellung handelt, kann das Ziel einer ausgeglichenen Work-Life-Balance nur gemeinsam erreicht werden. Der Chef darf die Möglichkeit, den Mitarbeiter rund um die Uhr heranziehen zu können, nicht überstrapazieren. Und der Angestellte mit dem firmeneigenen Smartphone muss lernen, auch mal abzuschalten. Immer mehr Unternehmen gehen dazu über klare Kommunikationsregel zum Umgang und Erreichbarkeit im „Handy-&-Email-Zeitalter“. Im Zeitalter der grenzenlosen Kommunikation ist jeder Einzelne und auch der Arbeitgeber dazu aufgefordert für sich selbst Grenzen zu definieren und Grundregel zu schaffen wann und wie jemand erreichbar sein muss, wann es sich um „Not-Situationen“ handelt und wann der Mitarbeiter nicht mehr erreichbar sein muss.
Viele Unternehmen unterstützen bereits Ihre Mitarbeiter, um eine gute Work-Life-Balance oder besser „Life-Balance“ zu unterstützen uns so z.B. dem Burnout-Syndrom vorzubeugen. So werden z.B. in einigen Bereichen der VW AG 30 Minuten nach Feierabend die E-Mail-Weiterleitungen automatisch abgestellt. Somit soll verhindert werden, dass die Mitarbeiter auch noch von zu Hause aus ihre Emails checken oder sogar beantworten und somit noch schlechter abschalten können.

• Pressemitteilung: VW schaltet E-Mail-Weiterleitung 30 Minuten nach Arbeitsende ab

 

In einigen Bereichen der Daimler AG werden sogar während der Urlaubszeit der Mitarbeiter Emails gelöscht. Der Absender erhält lediglich eine Nachricht, dass Kollege „Schmidt“ im Urlaub ist und ab Datum „23.4.“ wieder zu erreichen. In dringenden Fällen wird auf die Kontaktdaten eines Kollegen verwiesen, der die Vertretung übernommen hat.

So soll verhindert werden, dass das Email-Postfach nach den Urlaub überquillt und sich der Mitarbeiter nach der Rückkehr erst einmal durch hunderte von Emails quälen muss. Ebenfalls wird damit verhindert, dass Kollegen während Ihrer Urlaubszeit auch weiterhin noch Emails checken oder diese sogar beantworten.
Dies gilt natürlich nicht für alle Bereiche der beiden Konzerne. Aber in vielen deutschen Unternehmen hat bereits ein Umdenken stattgefunden und es wird den Mitarbeitern z.B. durch die Einführung von klaren Email-Kommunikationsregeln leichter gemacht abzuschalten und sich zu erholen.

• Pressemitteilung: Daimler AG löscht Emails während des Urlaubs
• Pressemitteilung: SAP will Mitarbeiter vor Emails schützen

 

Ein gut funktionierendes Betriebliches Gesundheitsmanagement setzt hier ein und gibt den Menschen Methoden an die Hand, die Errungenschaften der Technik effizient und gesund einsetzen zu können.

» Offene Seminare, Trainings, Workshops & Schulungen zur nachhaltigen Verbesserung der Work-Life-Balance finden Sie hier «

» Mehr zum Thema ständige Verfügbarkeit und Entgrenzung der Arbeitszeiten finden Sie hier im „Praxisleitfaden für Stressmanagement“ «

10. Praxis-Tipps: Erholung von der Arbeit - 7 Tipps für eine optimale Erholung aus arbeitspsychologischer Sicht

Erholung von der Arbeit – 7 Tipps für eine optimale Erholung aus arbeitspsychologischer Sicht

Eine Befragung des Kölner Instituts für angewandte Gesundheitswissenschaften unter der Leitung von Prof. Allmer zeigte, dass 63% der Berufstätigen in Deutschland sich nicht angemessen erholen. Da erfolgreiche Erholung von der Arbeit mit psychischem und physischem Wohlbefinden einhergeht (Sonnentag und Fritz, 2007) und somit vermutlich auch die Produktivität am Arbeitsplatz positiv beeinflusst, soll hier näher auf dieses Thema eingegangen werden. Zunächst soll beschrieben werden, wie Erholung definiert und gemessen werden kann, welche Einflussfaktoren auf Erholung einwirken und welche Auswirkungen Erholung hat (Teil I). Anschließend soll beleuchtet werden, wie die Erkenntnisse der Erholungsforschung praktisch umgesetzt werden können.

 


 

Die wissenschaftliche Sicht auf Erholung

Definition von Erholung

Gemäß der Einschätzung von Wieland-Eckelmann und Kollegen (1994) gibt es bisher keine „umfassende Theorie der Erholung“. Trotz der noch herrschenden Uneinigkeit, möchte ich auf folgende zwei wesentliche Merkmale von Erholung eingehen. Erstens, stellt laut Allmer (2006) Erholung ein Ausgleich von Überforderungs- und Unterforderungszuständen dar. Erholung kann folglich, entgegen dem Alltagsverständnis, auch ein Zustand der Anspannung sein.

Die Befunde von Trenberth, Dewe, und Walkey (1999) deuten darauf hin, dass passive Formen eher mit der Erholung mit einem besseren Umgang mit Arbeitsstress einhergehen, als aktive Formen der Erholung.

Jemand, der einer monotonen und unterfordernden Arbeit nachgeht, sollte sich in seiner Freizeit Herausforderungen suchen, um sich optimal zu erholen. Es wird angenommen, dass Erholung nur stattfindet, wenn zuvor beanspruchte Ressourcen in der Erholungsphase nicht länger beansprucht werden. Ferner wird Erholung als ein dynamisches, bio-psycho-soziales Geschehen betrachte (Allmer, 2006). Damit ist gemeint, dass sowohl Prozesse auf der Ebene des Körpers und des Gehirns; als auch Gedanken, Emotionen und individuelle Bewertungsstile und ferner soziale Unterstützung und soziale Konflikte auf den Erholungsprozess einwirken. Noch nicht vollkommen geklärt ist die Frage, ob erfolgreiche Erholung eher als ein aktiver (Hobfoll, 1998) oder ein passiver Prozess (Meijman & Muldner, 1998) zu verstehen ist.

 


 

Erfassung von Erholung

Sonnentag und Fritz (2007) haben einen Fragebogen entwickelt, der Erholungsverhalten messen soll. Der Recovery Experience Questionnaire (REQ) (siehe Anhang 2) soll anhand von vier Dimensionen erfassen, wie Individuen sich erholen und Abstand zur Arbeit gewinnen. In ihrem Fragebogen wird angenommen, dass folgende vier psychische Faktoren zur Erholung beitragen.

 

1.    Mit psychischer Distanz von der Arbeit ist nicht nur physischer, sondern auch mentaler Abstand von der Arbeit in Erholungsphasen gemeint. Man geht keinen arbeitsbezogenen Tätigkeiten mehr nach, z.B. dem Lesen von Emails, und denkt auch nicht über arbeitsbezogene Probleme oder Chancen nach. Eine Frage dieser Dimension ist z.B.: „In meiner Freizeit denke ich überhaupt nicht über die Arbeit nach“.

 

2.    Entspannung wird charakterisiert als “ein Zustand geringer Aktivität und gesteigertem positivem Affekt” (Stone, Kennedy-Moore, & Neale, 1995 in Sonnentag & Fritz, 2007). Eine Frage ist z.B.: „Ich nutze meine freie Zeit um mich zu entspannen“.

 

3.    Mastery meint, dass man sich in seiner Freizeit Herausforderungen sucht, die in anderen Bereichen liegen als die arbeitsbezogenen Herausforderungen. In dieser Dimension manifestiert sich die Annahme, dass Erholung nicht nur in einem passiven Zustand stattfindet, sondern auch in einem aktiven Zustand. Eine Frage ist z.B.: „Ich tue Dinge, die mich herausfordern“.

 

4.    Kontrolle über die Freizeitgestaltung: Diese Dimension stützt sich auf die Überlegung, dass Menschen danach streben Kontrolle über ihr Leben auszuüben und selbst bestimmen möchten, wie sie ihr Leben gestalten, sowohl im Beruf als auch in der Freizeit. Eine Frage ist z.B.: „Ich bestimme selbst, wie ich meine Zeit verbringe“.

 

Der Fragebogen ist relativ kurz (16 Fragen) und weist eine gute Messgenauigkeit auf. Die Autorinnen kritisieren jedoch selbst, dass der Bereich des Sozialkontakts in ihrem Fragebogen zu wenig berücksichtigt wird.

 


Einflussfaktoren auf Erholung und Erholungskonsequenzen

Sonnentag und Fritz (2007) zeigten, dass situative Variablen des Berufs, wie z.B. Arbeitsbelastung in Form von Zeitdruck oder Überstunden, situative Einschränkungen und Rollenambiguitäten mit den meisten Dimensionen ihres Erholungsfragebogens zusammenhängen. Neben Persönlichkeitsfaktoren scheinen auch Stressbewältigungsstile, wie z.B. die Inanspruchnahme von sozialer Unterstützung, mit gelungener Erholung zusammenzuhängen. Es erscheint plausibel diese genannten Variablen als Einflussfaktoren auf den Erholungsprozess zu betrachten, jedoch erlaubt die Studie von Sonnentag und Fritz (2007) nur bedingt Aussagen über die Wirkungsrichtung von Zusammenhängen. Die Autorinnen zeigten ferner, dass moderate Zusammenhänge zwischen den Dimensionen des REQ und Variablen des Psychischen Wohlbefindens bestehen, wie z.B. emotionaler Stabilität, Gesundheitsbeschwerden, Burnout, depressiven Symptomen, Lebenszufriedenheit und Schlafproblemen. Es kann angenommen werden, dass diese Variablen durch die Qualität der Erholung beeinflusst werden.

 


Umsetzung der wissenschaftlichen Erkenntnisse der Erholungsforschung in die Praxis

7 Tipps für eine optimale Erholung

Sabine Sonnentag gab in einem Interview folgende „Tipps für eine optimale Erholung“ (Wirtschaftspsychologie aktuell):

•    in der Freizeit einem Hobby oder einem Sport nachgehen, das einem gut tut
•    die Anforderungen, die die Arbeit bestimmen, in der Freizeit vermeiden
•    besonders häufig mal abschalten, wenn man viel und lange arbeitet
•    seine Freizeit und seinen Urlaub nicht durch berufliche Telefonate oder E-Mails stören lassen
•    lieber mehrere Kurzurlaube als einen langen Urlaub machen, da beide in gleichem Ausmaß erholsam sind und der Erholungseffekt bei beiden nur ein bis zwei Wochen anhält

Basierend auf den bisher vorgestellten Befunden können folgende Tipps ergänzt werden:

•    die Erholung sollte sowohl einen passiven, als auch einen aktiven Charakter haben
•    unterstützende soziale Beziehungen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Erholung

Es ist anzunehmen, dass es Menschen gibt, die wenig darüber wissen, wie sie sich erholen können bzw., dass Erholung notwendig ist. Dieser Tatsache sollte man durch eine bessere Kommunikation von Forschungsergebnissen und dem Einüben von Erholungsstrategien begegnen. In welchem Rahmen könnten diese Erholungsprogramme angeboten werden? Da von guter Erholung sowohl der oder die Einzelne als auch das Unternehmen profitieren, wäre es naheliegend Erholungsprogramme am Arbeitsplatz anzubieten.

 

Nach einer Analyse des individuellen Erholungsverhaltens, z.B. mit dem REQ (Sonnentag & Fritz, 2007) oder mit dem Online-Erholungstest der AOK von Prof. Allmer; können in Unternehmen folgende verhaltenspräventive und verhältnispräventive Maßnahmen zur Förderung der Erholungszeiten organisiert werden.

 


 

♦ Tipps: Maßnahmen der Regeneration im Unternehmen:

•    Entspannungsmethoden und Stressbewältigungstechniken (z.B. Bauchatmung)
•    Ruheräume (mit visuellen Entspannungssystemen, wie z.B. dem Brain Light-System)
•    verbesserte (aktive) Pausengestaltung (z.B. durch Businessyoga, Fit@Work)
•    Überstundenregelungen und -kontrolle (z.B. durch Software-Programme)
•    Regelungen zur mobilen Erreichbarkeit (z.B. „Grundregelung der Kommunikationskultur mit modernen Medien“)
•    Maßnahmen zur besseren Trennung von Arbeit und Freizeit (z.B. Audit Beruf & Familie) und
•    Arbeitsplatzgestaltung, die mehr Erholung ermöglicht (z.B. Farben, Licht, Belüftung).


 

Zusammenfassung zur optimalen Erholung

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Konzept der Erholung ausreichend wissenschaftlich definiert ist. Zudem lässt es sich auf eine messgenaue und ökonomische Art und Weise erfassen, z.B. mit dem Recovery Experience Questionnaire von Sonnentag und Fritz (2007). Die Qualität der individuellen Erholung steht mit situativen Variablen des Berufs und individuellen Stressbewältigungsstilen in Beziehung und scheint einen Einfluss auf vielfältige Variablen des psychischen Wohlbefindens und auf die Gesundheit zu haben. Folglich kann angenommen werden, dass ein enger Zusammenhang zwischen angemessener Erholung und der Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen im Beruf besteht. Daher erscheint es ratsam, Schulungen zur Verbesserung der Erholungsfähigkeit anzubieten und/oder die Arbeitsbedingungen im Sinne einer besseren Erholung zu verändern.

 

» „Stressbewältigung“ Seminare, Trainings, Workshops & Schulungen finden Sie hier «

» „Work-Life-Balance“ Seminare, Trainings, Workshops & Schulungen für eine bessere Work-Life-Balance finden Sie hier «

» „Burnoutprävention“ Seminare, Trainings, Workshops & Schulungen zur Burnout-Vermeidung für Führungskräfte und Mitarbeiter finden Sie hier «

 

11. Literaturverzeichnis zur Verbesserung der Work-Life-Balance:

 

Literaturverzeichnis zur Verbesserung der Work-Life-Balance:

Allmer, H. (1996). Erholung und Gesundheit. Göttingen: Hogrefe Verlag.?AOK: Erholungsstrategien-Test.
Online im Internet: www.aok.de/bundesweit/gesundheit/testen-sie-sich-test-erholungsbeduerftigkeit-14882.php (Stand: 20.01.2013).

Hobfoll, S. E. (1998). Stress, culture, and community: The psychology and physiology of stress. New York:

Plenum Press. Kölner Institut für angewandte Gesundheitswissenschaften: Erholen Sie sich gut? Ergebnisse eine Internetbefragung.

Online im Internet: www.gesund-ev.de/essg.htm (Stand: 13.01.2013). Meijman, T. F., & Mulder, G. (1998). Psychological aspects of workload. In P. J. D. Drenth & H. Thierry (Eds.),
Handbook of work and organizational psychology (Vol. 2: Work psychology, 5–33). Hove, England:

Psychology Press. Sonnentag, S. & Fritz, C. (2007). The Recovery Experience Questionnaire: Development and Validation of a Measure for Assessing Recuperation and Unwinding from Work. Journal of Occupational Health Psychology, 12 (3), 204-221.

Trenberth, L., Dewe, P., & Walkey, F. (1999). Leisure and its role as a strategy for coping with work stress. International Journal of Stress Management, 6(2), 89-103.
Wieland-Eckelmann, R. (1994). Erholungsforschung: Beiträge der Emotionspsychologie, Sportpsychologie und Arbeitspsychologie. Weinheim: Beltz Verlag.

Wirtschaftspsychologie aktuell: Lernen von Sabine Sonnentag: Die optimale Erholung. Online im Internet: www.wirtschaftspsychologie-aktuell.de/lernen/lernen_20080619_Sabine_Sonnentag_ Die_optimale_Erholung.html (Stand 13.01.2013)

 

Autorin der Beitrages: Marie Klippel, Humboldt-Universität zu Berlin, 2013
Veröffentlichung: Artikel im Rahmen des „Young Health Experts-Programms“ der UBGM

 

12. Work-Life-Balance-Buchtipp: The big five for Life, John Strelecky

Work-Life-Balance-Buchtipp: „The big five for Life“, John Strelecky91a55643be

John Strelecky erzählt in seinem Bestseller-Buch „The big five for life“ eine Geschichte von Kerry, der eines Tages dem Geschäftsmann und Gründer Thomas auf einem Bahnsteig begegnet und dieser Ihn fragt, ob es heute ein „Museumstag“ würde?
Die Frage: „Wie führe ich mich?“ und „Wie führe ich meine Mitarbeiter gesund?“ steht in diesem Buch im Mittelpunkt.
Der „Museumstag“, die „ZDEs“ und die Safari des Lebens mit den „Big five for life“ sind nur einige Impulse, die der Leser zur Gestaltung einer gesunden Work-Life-Balance für sich mit in seinen persönlichen Alltag übertragen kann.
Vielleicht gibt Ihnen dieses Buch wie unzähligen Führungskräften, Personalern und Mitarbeitern einen Anreiz das Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen.
Aber Vorsicht – Nach dem Lesen dieses Buches haben schon viele Menschen Ihr Leben radikal geändert.

 

Weitere Praxisleitfäden

 

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